Der Jahreswechsel ist gesellschaftlich ein Fest mit dem Motto Neuanfang – doch in der Arbeit mit traumatisierten jungen Menschen und Familien offenbart sich eine andere Dimension. Wie aktuelle Berichte (u.a. WDR¹) unterstreichen, wirkt die Silvesternacht für viele Menschen mit Fluchterfahrung nicht als Zäsur, sondern als massive Reaktivierung vergangener Bedrohungsszenarien. Aus traumapädagogischer Sicht ist dies kein individuelles Befindlichkeitsproblem, sondern physiologische Realität. Das emotionale Gedächtnis unterscheidet nicht zwischen dem Knall eines Feuerwerkskörpers und dem eines Geschützes. Die sensorischen Reize – Lärm, Lichtblitze, Gerüche – triggern das autonome Nervensystem und versetzen den Körper in einen Zustand akuter Alarmbereitschaft, unabhängig von der kognitiven Sicherheit im Hier und Jetzt. Konkrete Möglichkeiten Sicherheitssysteme zu stärken:
Antizipation: Das Thema proaktiv ansprechen und enttabuisieren („Normalisierung“).
Ressourcenorientierung: Strategien entwickeln, die Selbstwirksamkeit ermöglichen (z.B. Kopfhörer, Rückzugsorte, klare Strukturen).
Co-Regulation: Als verlässliches Gegenüber Sicherheit ausstrahlen, wenn die innere Struktur des Klienten wegbricht.
Resilienz entsteht dort, wo Bewältigungsstrategien greifen. Wenn wir Tigger-Sytematiken verstehen, können wir sie wirksam begleiten und präventive Strukturen schaffen. Das macht unser Konzept bei der FLOAT Jugendhilfe gGmbH aus.
Es geht dabei nicht darum Verbote zu fordern, sondern den Blick zu weiten. Feiern und Fürsorge sind kein Widerspruch – im Gegenteil. In diesem Sinne einen guten Rutsch!
¹ https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/wie-sich-gefluechtete-an-silvester-fuehlen-100.html